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Virtual Space Explorers, Institutsprogramm, Institut für Neue Medien, 1996 - 1999 von Gabriele Gramelsberger
Wissenschaftliches Management des INM-Instituts für Neue Medien, Frankfurt 1996 bis 1999 Programm Die Erforschung der computergestützten Medien und deren Produkte, die digitalen oder virtuellen Räume, sind das Thema des Programms "virtual space explorers". Sowohl wissenschaftliche, theoretische als auch anwendungsorientierte Diskurse und Projekte werden transdisziplinär zusammengeführt und konstituieren die innovative Arbeitsweise und Plattform des Institut für Neue Medien. Die Umsetzung des Programms startete im Oktober 1996. Die Broschüre des Instituts beschreibt das Programm, der Internetauftritt des »Institut für Neue Medien dokumentiert die Aktivitäten im Sinne dieses Programms seit 1996. Hintergrund Das Institut für Neue Medien - 1989/90 von Kasper König, Rektor der Städelschule, gegründet - entfaltete unter der Leitung von Peter Weibel als eines der ersten Medieninstitute Europas im Kunstumfeld eine rege Projektarbeit. Rund fünfzig Arbeiten, zumeist interaktive Simulationen und Installationen namhafter Künstler und Künstlerinnen, wurden realisiert und weltweit präsentiert. Der Diskurs zeichnete sich durch medientheoretische und radikal konstruktivistische Tendenzen aus. Mit der Schließung des Instituts 1994 seitens der Städelschule, dem Weggang Peter Weibels und zahlreicher Künstler sowie der Wiedereröffnung durch den eigens dafür gegründeten Trägerverein IfNM war das Institut vor neue Aufgaben und Situationen gestellt. Michael Klein, Nachfolger Peter Weibels, und zahlreiche Institutsmitglieder versuchten mit Unterstützung der Kulturstiftung der Deutschen Bank eine Neuorientierung, die zu einer Intensivierung anwendungsorientierter und wissenschaftlicher Projekte führte. Die Fokusierung auf wirtschaftliche Projekte und die Gründung einer GmbH ließen künstlerische, theoretische und wissenschaftliche Aspekte kurzfristig in den Hintergrund treten. Dies änderte sich Ende 1996 mit dem Programm "virtual space explorers". Das Programm griff bestehende Aspekte der Institutsarbeit auf und integrierte diese in eine neue Ausrichtung, die sich vor allem durch die zunehmende Etablierung des Internets ergab. Die inhaltliche Konzeption und Umsetzung des Programms oblag meiner Tätigkeit für das Institut und konnte Dank der aktiven Unterstützung aller Institutsmitglieder - insbesondere von Nanna Rüster, Karin Berrio und Gerd Döben-Henisch sowie Michael Klein - realisiert werden. Ziele Die thematische Behandlung der Neuen Medien ist oftmals durch eine einseitig theoretische oder technologische Herangehensweise gekennzeichnet. Das Ziel des Programms "virtual space explorers" war die transdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Neuen Medien auf hohem Niveau an einem Ort, dessen Selbstverständnis durch theoretische wie technologische Arbeiten in diesem Bereich geprägt ist. Künstler, Programmierer, Philosophen und Naturwissenschaftler arbeiteten und arbeiten am Institut für Neue Medien gemeinsam an innovativen Entwicklungen. Die Motivation des Programms war es, dieses Know How einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Networking Community Kerngedanke war die verstärkte Öffnung der Institutsplattform für Künstler, Wissenschaftler, Theoretiker und interessierte Laien im Sinne einer Networking Community. Neben der Projektarbeit wurde ein vielschichtiger Diskurs zu den Neuen Medien am Institut initiiert. Ein umfangreiches »Veranstaltungsprogramm vor Ort und die mediale Präsenz im Internet generierten die Kommunikations-Plattform der Networking Community. 1996 bis 99 wurden insgesamt zwei Institutsausstellungen, sieben Symposien, die wöchentlich stattfindende Vortragsreihe "unplugged heads" und zahlreiche Einzelevents realisiert. Die Veranstaltungen charakterisierten sich durch einen informellen, transdisziplinären und an der aktuellen Forschung orientierten Diskurs. Die Distanz zwischen Referenten und Publikum, zumeist aus dem Medienbereich kommend, konnte überwunden werden und das Institut etablierte diskussionintensive Events, die typisch für die vernetzte, nicht-hierarchische Denkweise wurden. Neben den eigenen Veranstaltungen vor Ort beteiligte sich das Institut an zahlreichen nationalen und internationalen Events. Eine Fülle von Presseartikeln und TV-Dokumentationen dokumentieren den Erfolg des Programms. Projekte Neben dem Diskurs erfolgte die Umsetzung des Programms primär durch die Projektarbeit. Zum einen wurden die Studios und Ateliers für freie Kunstprojekte zur Verfügung gestellt, zum anderen wurden »Forschungsprojekte akquiriert bzw. beantragt, deren Spektrum von der Informationsvisualisierung, über die Interfacegestaltung, zu intelligenten Systemen und neuen medialen Interaktionsformen reichte. Nominell unterstützt wurde das Institut durch einen namhaften Beirat aus Wissenschaft und Kunst, der für die Laufzeit 1997 bis 99 berufen wurde. Theoretische Auseinandersetzung Die Vermittlung der Inhalte durch Veranstaltungen und Projektarbeiten generierten ein theoretisches Selbstverständnis im Rahmen des Programms "virtual space explorers". Im Mittelpunkt stand dabei die zunehmende Verschränkung der Realität mit den virtuellen Welten. Es wurde deutlich, daß weder eine totale Digitalisierung und Verbannung der Realität stattfinden würde wie Enthusiasten propagierten, noch die Mediatisierung aufzuhalten wäre wie Kritiker hofften. Die sinnvolle Erweiterung und Nutzung virtueller und realer Welten schien die vernünftigste und interessanteste Herangehensweise und führte zur Konzeption der Virealität, der Verwebung von Virtualität und Realität. Nicht Schnittstellen, sondern wesentlich vagere Übergangsbereiche zwischen Virtualität und Realität, die sich durch Ambiguität charakterisieren, kennzeichnen die Idee der Virealität. Die Gestaltung dieser virealen Verschränkungsbereiche ermöglichen neue Perspektiven der Interfaceentwicklungen oder der Informationsvisualisierungen. (Gabriele Gramelsberger, Michael Klein (Hg.): virtual space explorers : Experimente im Datenraum, Frankfurt 1999) Events
Kunstprojekte
Forschungsprojekte
Beirat
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