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Freie ForscherIn statt Low Budget Academics. Erschließung eines (Berufs-)bildes "Freie ForscherIn" an der Schnittstelle zwischen Universität und Gestaltungsöffentlichkeit (Markt, Status, Infrastruktur),
Expertise im Rahmen des "Jahres der Geisteswissenschaften", 2007,
im Auftrag des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten Berlin und des BMBF Bonn
von Gabriele Gramelsberger und Kristina Vaillant



Sich mit vielerlei Jobs und Projekten über Wasser haltend, aber sich immer noch forschend, lehrend und publizierend am akademischen Diskurs beteiligend, ist die Problemlage freier ForscherInnen zwar hinreichend bekannt, als gesellschaftliche Gruppe sind sie aber weitgehend unsichtbar. Keine Interessensvertretung, "ForscherInnensozialkasse" oder unterstützende Infrastruktur stärkt die Position freischaffender GeisteswissenschaftlerInnen. Die Heterogenität ihrer Einzelschicksale und die Fähigkeit existenzielle Krisen durch Selbsthilfe zu meistern, verhindern die Entstehung eines gesellschaftlich wahrnehmbaren Bildes freischaffender ForscherInnen - analog zu freischaffenden KünstlerInnen, AutorInnen oder ArchitektInnen. Dieser Status der "Unsichtbarkeit" täuscht leicht darüber hinweg, dass freischaffende AkademikerInnen einen nicht unerheblichen Beitrag zur geisteswissenschaftlichen Forschung an der Schnittstelle zwischen Universität und Gestaltungsöffentlichkeit leisten. Den akademischen, förderpolitischen und disziplinären Zwängen enthoben, handelt es sich dabei oft um originellere und innovativere Forschungsarbeiten als sie im akademischen System zu leisten wären. Gerade diese Freiheit der Forschung lockt mitunter AkademikerInnen auch aus dem System.

Mit der Expertise "Freie ForscherInnen statt Low Budget Academics" versuchten wir die Möglichkeiten und Bedingungen einer Infrastruktur für freischaffende ForscherInnen in der Wissensgesellschaft auszuloten, die die positiven Aspekte dieser Ambivalenz zur Geltung bringen. Ziel ist es, in einem Szenario das (Berufs-)bild "Freie ForscherIn" - analog zu den freien Berufen - zu entwickeln sowie der dazu nötigen infrastrukturellen und sozialen Einbettung in die Gesellschaft. Die Idee ist es, Methoden der Geisteswissenschaften in marktfähige Forschungsformate weiterzuentwickeln, wie dies die Ethnographie mit "Rapid Ethnography" bereits getan hat. Im Zeitalter der "Wissensgesellschaft" sehen wir hier einen genuin geisteswissenschaftlichen Beitrag zu aktuellen Entwicklungen außerhalb des akademischen Systems.


- Vortrag zum Workshop "Geistes-, Kultur- und SozialwissenschaftlerInnen im Übergang von der Uni Leipzig in das Berufs- und Wirtschaftsleben", Universität Leipzig, 22.11.2007
- Posterpräsentation zur Tagung "Arts and Figures. GeisteswissenschaflerInnen im Beruf", Kongresszentrum Wiesbaden, 27./28.11.2007

Gramelsberger, Gabriele/Vaillant, Kristina: Freie ForscherIn statt Low Budget Academics, in: Huschka, D.: Findigkeit in unsicheren Zeiten, Leverkusen: Budrich, 2008: 95-116


© Gabriele Gramelsberger, Berlin 2010