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Roboter, Agenten, Knowledge Robots, Symposium, Institut für Neue Medien Frankfurt, 20.04.1999 von Gabriele Gramelsberger und Gerd Döben-Henisch Die Faszination für automatische, menschenähnliche Maschinen ist alt. Im 17. Jahrhundert - am Beginn des mechanistischen Zeitalters - war ein wahrer Boom dieser Automaten zu verzeichnen und eventuell war dies der Ausgangspunkt für Descartes Zweifel, wenn er in den Meditationen 1641 schreibt: "... Doch da sehe ich zufällig vom Fenster aus Menschen auf der Straße vorübergehen, von denen ich ebenfalls ... gewohnt bin zu sagen: ich sehe sie, und doch sehe ich nichts als die Hüte und Kleider, unter denen sich ja Automaten verbergen können!" [Descartes, 1993, 2.13] Was also ist der Mensch und wie unterscheidet er sich von den Automaten? Die Antwort Descartes ist bekann: Die Unterscheidung zwischen Körper (res extensa) und Denken (res cogitans) ist es und die Tatsache, daß der Vollzug des Denkens die Existenz des Einzelnen als Mensch garantiert. (Ich denke, ich bin!) Das Problem nur ist der Transferschluß, den wir von uns selbst, als denkende Wesen, auf andere machen, um dann zu folgern, es handle sich um denkende Menschen. Und nun stellt sich die Frage, ob wir uns in Zukunft daran gewöhnen müssen, daß dieser Schluß auch für Automaten zulässig sein wird, so problematisch er ist: Denkende Maschinen, menschenähnliche Automaten. Gibt es dann überhaupt noch einen Unterschied? Oder ist das Kriterium der "Intelligenz" - eh schwammig genug - für die Differenzierung zwischen Mensch und Maschine überholt? Sowohl euphorische Hoffnungen als auch tiefe Ängste sind mit diesen Fragen und deren Konsequenzen verbunden. Früher Maschinen und Automaten, heute Roboter, Softwareagenten und Knowledge Robots. In die Mechanik wird dank der Computer "Intelligenz" eingepflanzt. Der Körper und das Denken finden wieder zusammen. Das Hauptargument für die Entwicklung intelligenter Wesen ist die Bequemlichkeit der Menschen. Stupide, mühsame Arbeit soll deligiert werden. Der Begriff Roboter, von dem tschechischen Schriftsteller Karel Capek 1920 in seinem Roman "R.U.R." (Rossums Universal Robots) eingeführt, basiert auf dem slawischen Wortstamm robota und bedeutet Fronarbeit. Und während die Science Fiction Autoren Roboter-Welten erschufen - Isaak Asimov oder Stanislav Lem beispielsweise - und berühmte Roboter wie "Sabor II" oder "Dynamo Joe" als Kuriositäten im Variété und Zirkus auftraten, setzte die Entwicklung von Industrierobotern 1954 mit Georg Devol´s Patent eines programmierbaren Manipilators ein. Mittlerweile arbeiten allein in Deutschland 75.617 Roboter (1997). Doch neben der Bequemlichkeit kommt die Unterhaltung hinzu. Auch das ist nicht neu, doch mit der wachsenden Unterhaltungs- und Freizeitindustrie wächst die Präsenz der intelligenten Automaten in Form virtueller Charaktäre und Spielzeuge rapide. Nach dem Tamagotchi-Boom sorgt die Industrie nun für den Furby-Boom. Und natürlich die Lego-Roboter! Werden wir langsam daran gewöhnt, mit künstlichen Wesen zu leben, die nicht in den Fabriken verschwinden? Dabei stoßen wir auf ein Definitionsproblem: Was ist ein Roboter? Eine intelligente, menschenähnliche Maschine? Eine Maschine die definierte Handlungen durchführt, wie Industrieroboter und gar nicht menschenähnlich aussehen muß? Eine Softwaremaschine mit entsprechendem Design? Ist es die Aufgabe, das Verhalten, die "Intelligenz", die maschinelle Existenz, .... die den Roboter ausmachen? Das Symposium stellt - im Sinne der Initiatoren - verschiedene "Roboterkonzeptionen" vor. Descartes, Rene: Meditationen, Hamburg 1993 Dieter, Rolf; Müller, Erik: Roboter gestern, heute, morgen, in: Spektrum der Wissenschaft - Dosier: Roboter erobern den Alltag, 4/1998, 6-11 Capek, Karel: R.U.R., 1920 Asimov, Isaak: Roboter. Die elektronische Hand des Menschen, 1940 Lem, Stanislaw: Robotermärchen, 1964 20.04.1999, 10.00 - 19:00h (Teil 1) - "Von Descartes Automaten zu fußballspielenden Robotern", Gabriele Gramelsberger, INM Frankfurt - "Soziale Interaktion zwischen Robotern", Holger Kenn, Mitarbeiter am Institut für Robotik, Freie Universität Brüssel - "Die Psyche der Roboter", Wolfgang Mack, Mitarbeiter am Institut für Informatik, Universität Frankfurt - "Digitale Agenten", Peter Doemel, Mitarbeiter am Institut für Informatik, Universität Frankfurt - "Roboter-Fußballweltmeisterschaft", Joerg Willberg, Mitarbeiter der GMD St. Augustin - "Knowledge-Robots", Gerd Döben-Henisch, INM Frankfurt - "Animierte Charaktäre", Michael Klein, INM Frankfurt - Präsentation der GMD Fußballroboter Konzeption: Gabriele Gramelsberger, Gerd Döben-Henisch Verweise - Teil 2: 15.-17.11.1999 "Roboter-Workshop: Mind Stones" Wokshop, Jan van Eyck Akademie Maastricht, (mit Patrick Sibenaler, ETH Zürich; Gerd Döben-Henisch, INM Frankfurt) - Mensch & Maschine. Philosophische Diskurse der Neuzeit und Moderne im Vergleich, Seminar, FU Berlin, 2006/2007 »Mensch & Maschine - Travestien der Kybernetik: Die Macy-Konferenzen und ihr Einfluß, Workshop und Filmpräsentation, Tesla/Podewil´sche Palais und Institut für Philosophie der FU Berlin, 24.-25.06.2005 »Travestien der Kybernetik © Gabriele Gramelsberger, Berlin 2010 |