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Die unerträgliche Leichtigkeit des Datenraums, in: de Gavareli, Judith: Kollektive Sehnsucht, Jan van Eyck Akademie 1999 (Künstlerbuch) von Gabriele Gramelsberger Datenräume sind unendliche mathematische Räume, die allein durch die Adressierung im Datenspeicher einen vorläufigen Ort erhalten. Jeder Prozeß ein ewiges Um- und Neucodieren, ein Beschreiben und Umschreiben von 1 zu 0 und vice versa. Ein Wabern weltweit im Netz, ein kaum hörbares Summen und Surren. Permanenter Wandel, permanente Entscheidung ohne Gewicht. Leicht, unerträglich leicht. Ein anderer Ort Noch Newton hatte das menschliche Gehirn, jene Ideenproduktionsstätte, als ein mechanisches Gebilde aus solitonen Leitungen begriffen. Ideen breiten sich durch Schwingung aus. Nach und nach wurden die Leitungen hohl, sie hatten gerade die Elektrizität entdeckt, und benötigten Raum zum Durchrauschen. Schließlich sprachen sie vom großen Netzwerk, denn die elektronischen Computergehirne beeindruckten durch ihre komplizierte Verkabelung. Nun steht Netzwerk gegen Netz und die Koppelung geschieht zwischen Sinnen und Interface. Eine Frage der Zeit, wann sie mit neuronalen Plug-Ins beide Orte verlinken. Was bleibt als Rest übrig, wenn man Netzwerk und Netz voneinander subtrahiert? Ein Netzwerk ist eine an die Umwelt angepaßte Struktur, die organisationell geschlossen ist - so sagen die Radikalen Konstruktivisten. Die Informationen der Perepherie - Sinne - gelangen in das Netzwerk und dies generiert mit unterschiedlichen Stufen der Verarbeitungstiefe Bedeutungen. Dabei erzeugt das Netzwerk die Simulation, außerhalb seiner selbst zu sein und negiert sich dabei vollkommen. Die Instanz dazu nennen wir der Konventionen halber Subjekt. In diesem Sinne ist das Subjekt eine parasitäre Struktur im Netzwerk, das die Realitätserzeugung für sein Überleben nutzt. Denn, möglicherweise ist es zwar ebenso wie die Bedeutungen ein Konstrukt des Netzwerkes, doch aufgrund seiner selbstreflexiven Eigenschaft ist es die Bedingung der Möglichkeit der "Ideen von etwas". Was nun bleibt als Rest übrig von der Operation zwischen Netzwerk und Netz? 0 oder1, denn entweder ist das Ich eine Simulation und ein Netzwerk ist umfangsgleich mit einem Netz: Rest 0. Oder das Ich ist ein Add-On der Evolution und mehr als das Netz: Rest Einer oder Eine. Ideen von etwas Ist ein Netzwerk also mehr als ein Netz, indem es über eine Instanz zur Simulation von Realität und jener "Ideen von etwas" verfügt, dann unterscheiden sich beide durch den Gehalt. Mögen Ideen in einem Netz - in den unendlichen mathematischen Datenräumen - implementiert sein, sie sind unbelastet vom Gewicht des "von etwas". Unerträgliche Leichtigkeit der Virtualität, der Möglichkeit des Möglichen. Welten ohne Instanz, säuberlich adressiert in eindeutig unterscheidbaren Einheiten. Die Homogenität des Heterogenen. Hingegen türmen sich in den Netzwerken Bedeutungen über Bedeutungen und erzeugen unzählige Schichten von Realität, deren Gewicht verschieden sein kann und mitunter drückend auf den Instanzen lastet. Plug and Play Ist die Sehnsucht so groß? Das Fliehen in die Leichtigkeit der Datenräume, das kollektive Verschalten, das Entfliehen der konkreten Last. Süße Welt der Entscheidungen ohne Belang! Die Leichtigkeit der Datenräume ist ohne Ertrag im Realen. Unerträglich! © Gabriele Gramelsberger, Berlin 2010 |