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Containerisierung - Die Syntax der Systeme,
in: Bildwelten des Wissens. Kunsthistorisches Jahrbuch für Bildkritik, Bd. 5,1/2007 "Systemische Räume", Akademie Verlag Berlin: 55-57
von Gabriele Gramelsberger



(Textauszug)
Über 200 Millionen Container, so wird geschätzt, befinden sich heute kontinuierlich in Bewegung, um 90 Prozent des Welthandels abzuwickeln. ...

Es ist kein Zufall, dass auch die Technologie des Internets auf der Idee des Containers basiert. Inhalte werden in Paketen versandt und, beim Adressaten angekommen, wieder zusammengesetzt. ...

Die Logik der Containerisierung liegt auf der Hand. Die Syntax der Systeme stülpt sich über die Variationen ihrer Semantik. Ob Bananen, Plastikweihnachtsbäume oder Argentinische Hüftsteaks, die bunte Vielfalt der Formen und Materialien verschwinden in 20/40 mal 8 Fuß großen Kisten. Auf weiten Strecken werden die Inhalte gegenstandslos, während die Normierung ihrer Umhüllung, ob Überseecontainer oder Datenblock, die Systeme berechenbar und automatisierbar macht. In modernen Containerterminals be- und entladen Kranroboter die bereitstehenden LKW, Züge und Schiffe, choreografiert von Computerprogrammen. Die normierte Simplizität dieser Syntax erzeugt eine Ontologie ähnlich den Legowelten in den Zimmern unserer Kinder. Diese Ontologie transformiert in direkter Weise Häfen, Schiffe, Fahrzeuge und Arbeitspraktiken, in indirekter Weise Märkte und Gesellschaften. Radikaler kann sich die Technisierung der Welt nicht gestalten. ...


© Gabriele Gramelsberger, Berlin 2010